Öffentlich-rechtliches TV zeigt eSport

Das ZDF zeigte am 20. August erstmals eSport-Wettkämpfen in voller Länge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Im Sparten-Sender ZDFkultur wurden erstmals ganze Partien in voller Länge gezeigt. Während der Gamescom in Köln übertrug ZDF.kultur Wettkämpfe in den Spielen „FIFA 11“, „Trackmania Nations Forever“ und „Counter-Strike Source“. Ergänzt wurde die Berichterstattung mit Interviews rund um den Sport.

Zuvor konnten sich eSport-Neulinge auf das Thema vorbereiten. Verschiedene Beiträge gaben Einblicke in die Entwicklung des eSport und die Welt der Profi-Gamer. Die einzelnen Beiträge im Überblick:

Die Entwicklung des eSport (TV-Beitrag in der ZDF-Mediathek)
eSport als Profi-Geschäft (TV-Beitrag in der ZDF-Mediathek)
eSport: n!faculty klärt auf (TV-Beitrag in der ZDF-Mediathek)

In einem Interview erklärt Daniel Fiedler von ZDF.kultur, warum man nun eSport auch im TV öfter zeigen möchte und wie zukünftige Formate aussehen könnten. Die Reaktionen in anderen Medien auf die Entscheidung des ZDF war allerdings sehr unterschiedlich. Während die eSport- und Gaming-Medien das ganze als wichtigen großen Schritt nach vorne sahen, waren Medien wie die FAZ, BILD online oder derFreitag eher skeptisch, sowohl was das Thema an sich aber auch die eigentliche Umsetzung anging:

Soll dieses Sendeformat in die Breite wirken, bedarf es wohl einer weit professionelleren Medialisierung als bei diesem Testlauf: In Bürgerfunkmanier aufgeregt herumspringende Moderatoren, die zwischen den Spielen unbeholfene, ja ärgerlich unreflektierte Miniinterviews (etwa über die „Killerspiele“-Debatte) mit fragwürdigen Experten führen – dazu sollte sich selbst der Frischer-Wind-Kanal des sein Rollator-Image ablegen wollenden ZDF zu schade sein. – FAZ, 22. August 2011

IST DAS THEMA „KILLERSPIELE“ JETZT AUSDISKUTIERT? – BILD online, 23. August 2011

Versuche, die Trendsportart hierzulande auf die Mattscheibe zu bringen sind dagegen allesamt gescheitert. Zu gering sind die Einschaltquoten, weil das Geschehen entweder zu langweilig oder für den Otto Normalzapper zu unübersichtlich ist. Auf absehbare Zeit wird sich der E-Sport deshalb wohl nur in den digitalen Spartenkanälen der Ozeandampfer ein Plätzchen finden. Zwingend deshalb auch der Versuch von ZDFkultur, den Fokus der Berichterstattung stärker auf das Gaming als popkulturelles Phänomen zu legen. Ob gerade der E-Sport in dieser Hinsicht genug hergibt, bleibt fraglich. – derFreitag, 21. August 2011

Berichterstattung im TV ist für den eSport allerdings nicht neu (siehe Youtube-Kanal eSportMotion). Unter anderem berichtete 2007 die ARD über Starcraft-Spieler aus Süd-Korea:

Im Falle des ZDF allerdings konnte man erstmals am heimischen Fernsehgerät ganze Partien verfolgen, was sonst nur in anderen Sportarten zu sehen gab. Trotzdem sollte man nicht zu euphorisch sein. eSport ist (noch?) kein Massenphänomen. Auf Grund der wachsenden Anzahl an aktiven Gamern in Deutschland hat der eSport durchaus gute Chancen, zu einem solchen zu werden. Entscheidend ist aber nicht unbedingt die mediale Betrachtung oder regelmäßige Sendungen im TV. Viel wichtiger ist, dass der eSport jetzt diesen wichtigen Schritt nutzt, um auch selbst erwachsen und professioneller zu werden.

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