eSport und/oder Mobile?

Die „Olympischen Spiele der Gamer“, die World Cyber Games (WCG), werden zukünftig nur Wettbewerbe auf mobilen Geräten austragen.

Eine offizielle Aussage dazu gibt es derzeit noch nicht, lediglich einer Szeneseite wurde ein interner Brief der Veranstalter zugespielt, in dem der Fokus auf mobile Games klar dargestellt wird.

Auch wenn eSport-Portale nun vermuten, dass es sich eher um einen verfrühten April-Scherz handele, wäre die Abkehr von PC- und Konsolen-Titel für die WCG aber ein durchaus logischer und nachvollziehbarer Schritt. Haupt-Initiator und -Sponsor der WCG ist das Unternehmen Samsung – einer der weltweit führenden Anbieter mobiler Geräte. Und auch das Thema „Mobile“ im Zusammenhang mit der WCG ist nicht neu. Bei den WCG 2011 wurde für Wettbewerbe mit Spielen auf mobilen Geräten ein Preisgeld von insgesamt 55.000 US-Dollar vergeben.

Mobile boomt

PC und Konsolen sind heute die wichtigsten Plattformen für eSportler. Was aber jedem klar sein muss: eSport ist für Unternehmen in erster Linie eine „Marketingstrategie“. Kein Unternehmen steckt Geld in das professionelle Gaming nur weil es dem eSport etwas Gutes tun möchte. Ändern sich die Marktbedingungen, so passen die Unternehmen natürlich auch ihre Strategien an.

Die WCG sind ein „Hausevent“ von Samsung, ein als Werbeplattform genutztes Instrument, um das Unternehmen einer jungen, technikaffinen und lifestyligen Zielgruppe näher zu bringen. Gerade für die Außendarstellung des eSports waren die World Cyber Games eines der wichtigsten Events weltweit. Aber: Es war und ist ein Event, dass maßgeblich durch ein großes Unternehmen durchgeführt wird, der eSport dient hier als zukunftweisendes und jung-dynamisches Thema. Und: Die WCG werden durch ihren offiziellen Slogan NICHT als eSport oder „Wettkampf“-Event beschrieben, sondern als ein „(…) comprehensive Digital Culture Festival,(…)“.

Um auch weiterhin als zukunftweisendes Unternehmen zu gelten, war es nur eine Frage der Zeit, bis Samsung auch bei seinen Marketing-Events verstärkt auf den mobilen Bereich eingeht. Schließlich werden Samsung und Apple nach Analystenschätzungen in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Smartphone-Umsätze für sich verbuchen können.

Tja liebe Szene, was nun?

Die Frage, die sich nun die eSport-Szene stellen sollte: Wie geht man generell mit neuen Geräte-Formen um? Immer mehr Nutzer werden auf Smartphones und Tablets spielen. Die Zielgruppe „Casual Gamer“ wird immer größer und eben jene wird es kaum interessieren, wenn ein Unternehmen mit Wettkämpfen wirbt, die auf PC oder Konsole ausgetragen werden.

eSport findet nicht nur über den PC statt. Allerdings können viele beliebte eSport-Spiele nur über den PC als wirkliches Wettkampf-Spiel eingesetzt werden. Denn es reicht nicht, eine Plattform zu stellen, auch Anti-Cheat-Funktionen und faire Spiel-Bedingungen für alle Wettkämpfer müssen gewährleistet sein.

Hier allerdings zeigt sich, dass gerade die allgemeinen eSport-Szene-Seiten, also jene, die sich auf das Thema eSport spezialisiert haben ohne den Fokus auf ein Spiel oder Thema zu setzen, noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Interessant wären sicher Inhalte, die das Spielen auf mobilen Geräten im Mehrspielermodus erklären oder Beispiele für Wettbewerbs-Modi aufzeigen.

Mobile ist die Zukunft

eSport definiert sich nicht über die Plattform, nach anerkannter Definition bezeichnet eSport „den Wettkampf im Austragen von Computerspielen im Mehrspielermodus.“ Nun kann man natürlich streiten, ob ein „Computerspiel“ auch auf einem Smartphone (oder der Konsole) gespielt werden kann oder hier wirklich nur PC-Spiele gemeint sind.

Will man die Definition so auslegen, wird der eSport in Zukunft noch weiter an Bedeutung verlieren, denn der Trend geht bei Nutzern und den Unternehmen ganz klar in die mobile Richtung. Smartphones und Tablets werden sicher nicht den PC oder die Konsole als Spielgerät ersetzen, aber mit der Zeit mehr an Bedeutung gewinnen. Der Fokus der WCG auf Mobile Games ist kein Ende, im Gegenteil. Es zeigt einen weiteren Weg, den der eSport für sich entdecken muss, um das noch immer vorherrschende „Nerdige Kellerkind und Killerspieler“-Klische endlich abzulegen.

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